Kurzinformation
Die einflussreichste Gesellschaftstheorie der Gegenwart
Seit Ulrich Becks Risikogesellschaft ist »Individualisierung« eines der meistdiskutierten Konzepte der Gegenwartssoziologie. Doch die Dimensionen und Verwendungsweisen des Begriffs sind vielfältig und komplex. Matthias Junge bringt Ordnung in eine der wichtigsten Gesellschaftsdiagnosen unserer Zeit.
In den gegenwärtigen hochentwickelten Gesellschaften wird das soziale Leben der Menschen durch Individualisierungsprozesse beeinflusst. Individualisierung bedeutet, dass das Individuum zentraler Bezugspunkt für sich selbst und die Gesellschaft wird. Bereits dieser kleinste definitorische Nenner des Individualisierungstheorems erzeugt in der gegenwärtigen Debatte ambivalente Bewertungen: Einerseits wird Individualisierung als Befreiung des Individuums aus sozialen Zwängen betrachtet, andererseits werden neue und für den Einzelnen unter Umständen belastende Zwänge in Form von selbstverantwortlichen Entscheidungen auf eigenes Risiko befürchtet.
Matthias Junge stellt in seiner Einführung die verschiedenen Dimensionen des Individualisierungskonzepts historisch und systematisch dar. Geschichte, Begriffsbestimmung, Rezeption und die gegenwärtige Debatte um die Individualisierung sind Themen des Bandes. Dabei nutzt der Autor die Vielzahl der Verwendungen des Begriffs Individualisierung als Chance: Jede Begriffsbestimmung öffnet eine spezifische Perspektive auf die soziale Realität. Junge nutzt die Perspektivenvielfalt als Gliederungsprinzip und kann so in unterschiedliche Facetten der Individualisierung einführen und gerade deshalb einen erhellenden Gesamteindruck vermitteln.
Der Autor Matthias Junge, Dr. phil. habil., geb. 1960, ist Oberassistent am Lehrstuhl »Allgemeine Soziologie« der TU Chemnitz.